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online Symposium am 12. März 2022
 

Bildung und Ökonomie der Zukunft

Schule als Werkstatt des Wandels


mit Dr. Stefan Ruf, Dr. Gerald Hüther, Felix Gaudo
und einer Diskussionsrunde mit den Sozialunternehmer*innen: Benjamin Hohlmann, Nancy Frehse, Lucas Bauer


Skizzenhaft zusammengestellt von Anneka Lohn

Die Notwendigkeit einer Transformation ist in aller Munde. Aber von welchem Wandel sprechen wir, um den brodelnden Konflikten der Gegenwart und der fragilen zerbrechlichen Ordnung begegnen zu können? Das Antlitz der Erde hat sich gewandelt. Wie können wir veränderungsfreudig in die Zukunft schauen?

Schule ist ein Ort, wo Zukunft täglich entsteht. Die Zeit fordert auch dort einen Turnaround: die Orientierung am Kinde. Für ein gelingendes Leben braucht es neue Fähigkeiten, sogenannte Future-Skills. Wir brauchen Schulen, die dem entsprechen, wo wir als Gesellschaft hinwollen und müssen, damit gesunde Zukunft sein kann. Wir brauchen eine Neujustierung unseres Geistes und unserer Kultur.

In den Beiträgen wurde einiges dieser Fähigkeiten und Haltungen dargestellt und entwickelt. Anbei skizzenhaft einige Gedanken:

Transformation – was hat das mit uns zu tun?

Stefan Ruf befragt den heutigen Transformationsbegriff und sucht nach einem Potenzial, wo wir auch seelisch hin transformieren wollen und müssen. Was in uns ist überhaupt transformierend?

In diesem Zusammenhang beschreibt er eine zu entwickelnde „Tragekraft“, die uns in der herausfordernden Zeit Orientierung geben kann. Ausgehend von verschiedenen Modellen einer Bewusstseinsevolution (Jean Gebser, Rudolf Steiner, Teilhard de Chardin, Spiraldynamics (Don Beck), charakterisiert er ein modernes Selbst, welches die unzähligen Widersprüche nicht nur aushalten, sondern auch gestalten kann. Eine Art Bildung einer inneren Stimme und individuellen Kraft, die evident und achtsam die eigene Antifragilität stärkt. Diese ist zugleich individuell und strukturell. Es sind transpersonale Fähigkeiten, die heute von vielen jungen Menschen in Meditation, energetischen Übungen, Sport, Naturerlebnissen, Ernährung, im Denken und Aktivismus geübt und getan werden.

Auf was kommt es bei der Bildung für die Zukunft an?

Gerald Hüther befragt den Begriff des Lernens und zeigt, dass das Lernen wenig mit dem Gehirn zu tun hat, sondern etwas ist, was das Leben persée auszeichnet. Ein Grundmerkmal des Lebendigen ist: alles, was lebt, lernt. Der Umkehrschluss ist dann: wenn jemand seine Freude am Lernen verliert, verliert er seine Freude am Leben.

Deshalb wird der Blick auf die Lernkonzepte der Schulen von Bedeutung. Wir Menschen müssen wieder in die Situation gebracht werden, selber Gestalter sein zu können und Lust am Lernen zu bekommen.
Das „Schul-Systems“ ist wie ein Ozeantanker, dessen Kurs im vorigen Jahrhundert eingestellt worden ist. Wie der Kurs umgelenkt werden kann, ist eine große Frage und zentrale Aufgabe.

Für Gerald Hüther scheint die Lust am Lernen und die Subjektivität jedes Kindes ein wesentlicher Baustein zu sein.

Humor – Schlüsselkompetenz, um Lernfreude und Fehlerkultur zu fördern

Felix Gaudo erzählt anschaulich über die Schlüsselkompetenz ›Humor‹. In seinen Augen spielt Humor eine entscheidende Rolle im Kontext von Gesundheit und Kommunikationsfähigkeit. ›Humor hilft heilen‹. Das Thema Humor ist eine Frage der Haltung. Es ist etwas, um das wir uns kümmern müssen.

Stress-Situationen werfen unser Mitgefühl über Bord. Bei Angst bekommen wir Scheuklappen, werden zu Egoisten. Humorlosigkeit ist kein Zeichen von Kompetenz sondern Angst und Kontrollverlust. Lachen hingegen ist gesund: Sauerstoffzufuhr wird vermehrt, unser Herz Kreislauf- und Immunsystem gestärkt und vieles mehr.

›Humorlosigkeit ist die Unfähigkeit, andere Fähigkeiten wahrzunehmen als die eigene‹. Dazu im Umkehrschluss: Humor ist die Fähigkeit zu den eigenen Gedanken Abstand zu gewinnen. Was ich denke ist nicht die Realität, sondern nur die subjektive Wirklichkeit. Diese Fähigkeiten ist entscheidend und bildet den Grundstock für Sozialkompetenz und seelische Ausgeglichenheit. Sie ist im Bildungszusammenhang ein wesentlicher Faktor für Potenzialentfaltung und Lernfreude.

›Mit der Zeit nimmt die Seele die Farben der Gedanken an‹ Marc Aurel. Wir verändern uns durch das, was wir denken. In diesem Sinne prägen wir durch unsere tägliche Haltung und Entscheidung. Dieses Bewusstsein gewinnt im Schulkontext an Bedeutung.

Sozialunternehmertum und Bildung

Diskussionsrunde

Was ist eurer Meinung nach im Unternehmen der soziale Fokus?

Nancy Frehse: … Wenn man den kapitalistischen monetären Mehrzweck von einzelnen Personen rausnimmt und die Menschen in den Mittelpunkt stellt.

Lucas Bauer: … Wenn ein sozial- ökologisches Probleme auf unternehmerische Weise angegangen und gelöst wird.

Benjamin Hohlmann: ... Wenn mit dem Unternehmen ein Mehrwert für die Ökologie und die Herausforderungen unserer Zeit geschaffen wird. Die Grundidee eines Unternehmens ist eine ›dienende‹.


Woher kam eure Inspiration für ein Sozial-Unternehmen?

Benjamin Hohlmann: ... durch das Schauen auf die Welt und die Erfahrungen in Bolivien. Beides war identitätsstiftend.

Lucas Bauer: ... durch den Wandel, den ich am eigenen Leib erfahren habe. Durch die un-nachhaltige berufliche Praxis kam die Frage nach der Nachhaltigkeit. Diese wurde an der Uni Witten Herdecke behandelt und vertieft.

Nancy Frehse: ... durch das kritische Hinterfragen der gängigen Narrativen an Hochschule.
Kann man die neuen Narrative im Handwerk umsetzen? Diesen Beweis wollte ich im Unternehmen schaffen.


Wenn der ›Turning-Point‹ in der Praxis liegt, wie bekommt man diesen in die Bildung/Schulen?

Nancy Frehse: ... Lehrer*innen sind wichtige Personen, die prägen. Gute Wirtschaftskunde an Schulen würde nicht ausreichen, zusätzlich bedarf es einer Psychologie, die ›zu einem selber‹ führt – durch die Schulung der eigenen Körperwahrnehmung beispielsweise. Die Aufgabe der Schulen ist, Kinder zu Menschen heranzuziehen und nicht zu Marionetten.

Lucas Bauer: ... Vielleicht durch mehr Praxis-Erfahrung oder Raum für Selbsterfahrung. Ein Kurs in ›Mensch-Sein‹ an Schule könnten helfen.

Benjamin Hohlmann: ... Sich wahrgenommen fühlen an der Schule und eigene Themen setzen können. Schulen müssten alle 10 Jahre (eigentlich jedes Jahr) ›neu gegründet‹ werden, damit man hinschauen kann, was es für die Menschen braucht, die da sind. Einen Open Space schaffen, damit seine eigenen Impulse nicht verschoben werden müssen.