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Rendite mit Sinn


Wie jede Stiftung möchte die Stiftung Evidenz ihr Geld so anlegen, dass sie mit den Erträgen auch in Zukunft sinnvolle Projekte und Initiativen unterstützen kann. Dabei verfolgt sie seit den Gründungstagen einen eigenen Weg.

Stiftungsrat Rembert Biemond erläutert im Interview, was es damit auf sich hat.

Wie geht die Stiftung Evidenz mit dem Thema Vermögensanlage um?
Die meisten Stiftungen überlassen ihre Vermögensanlage immer noch externen Experten. In der Regel legen diese das Geld vor allem mit Blick auf die zu erwartende Rendite an, ohne genauer hinzuschauen, wie die Erträge erzielt werden. Anders als vielleicht beim Thema Bio-Nahrungsmittel gibt es bisher erst wenig Bewusstsein über ›grüne‹ Geldanlagen. Die Stiftung Evidenz ist auf diesem Gebiet eine Pionierin: Seit ihrer Gründung kümmern sich die Mitarbeiter selbst um die Vermögensanlage und investieren das Geld ausschliesslich in Bereichen, die auch zu den Förderzielen der Stiftung passen.

Was bedeutet das konkret?
Wichtig ist in diesem Zusammenhang die Kooperation mit erfahrenen Partnern, die ähnlich ausgerichtet sind, etwa die GLS Treuhand in Bochum, die Freie Gemeinschaftsbank in Basel und andere. Als Stiftung haben wir den Auftrag, verantwortungsvoll mit unserem Vermögen umzugehen. Das klassische Anlagedreieck beinhaltet die Faktoren Risiko, Laufzeit und Ertrag. Diese Faktoren müssen wir abwägen und zu einer sinnvollen Balance kommen. Bei aller Begeisterung für ein bestimmtes Projekt, dessen Ziele uns überzeugen, dürfen wir das Stiftungsvermögen nicht allzu grossen Risiken aussetzen.

Stichwort ›Mission Investment‹: Inwieweit nutzen Sie die Vermögensanlage der Stiftung, um selbst Einfluss zu nehmen?
Indem wir Geld ausgeben oder es beispielsweise in Beteiligungen investieren, tragen wir Verantwortung. Ob bei einer Anlage oder der Projektförderung – wichtig ist für uns immer die Frage, ob ein Projekt sinnvoll für Mensch und Erde ist. Deshalb fördern wir Initiativen, die nach unserer Einschätzung einen solchen sinnvollen Beitrag leisten, sei es im Bildungsbereich, in der Landwirtschaft oder auf anderen wirtschaftlichen Feldern.

In welchen Bereichen liegen Schwerpunkte?
Vor etwa fünf Jahren haben wir die Grundsatzentscheidung getroffen, verstärkt im Bereich der Landwirtschaft zu investieren. Das ist auch mit mehreren vielversprechenden Projekten gelungen, so dass wir mittlerweile insgesamt rund vier Millionen Franken, d.h. knapp 14 Prozent unseres Stiftungsvermögens in diesem Bereich eingesetzt haben. Mit Darjeeling Organic Tea Estates in Indien etwa haben wir uns erstmals bei einem grossen Projekt in Asien engagiert – im meines Wissens nach weltweit grössten Demeter-Projekt, das in vorbildlicher Weise ökologisch und sozial verantwortungsvoll wirtschaftet. Die Stiftung Evidenz hat sich nicht nur selbst mit einer Beteiligung von einer Million Franken eingebracht sowie eine Million als Darlehen vergeben, sondern auch weitere Investoren gefunden, die im Verbund einen zweistelligen Millionenbetrag aufgebracht haben.

Gibt es weitere Beispiele?
Ein anderes Beispiel ist unsere Beteiligung bei der Firma Living Seeds International. Dabei geht es um Öko-Saatgut – ein heisses Eisen, bei dem noch viel Aufklärung nötig ist. Die Holding sitzt in der Schweiz, doch das Projekt ist in Portugal angesiedelt und will ökologisches Saatgut für den Mittelmeerraum entwickeln und produzieren, wo es bislang nur wenige Initiativen in dieser Richtung gibt. Als drittes Beispiel möchte ich die BioBoden Genossenschaft nennen, die sich gegen Land Grabbing durch grosse Konzerne zur Wehr setzt und den Ausbau des Ökolandbaus in Deutschland unterstützt, indem sie Land kauft und es Ökobauern zur Verfügung stellt.

Ein klassisches Feld der Vermögensanlage sind Immobilien – auch die Stiftung Evidenz besitzt mehrere Liegenschaften. Welche Aspekte sind da von Bedeutung?
Auch hier versuchen wir anders zu arbeiten als üblich. Als Immobilienbesitzer arbeiten wir eher nach dem Stakeholder-Ansatz: Wie sieht eine faire Lösung für alle Beteiligten aus, also auch für die Mieter? Wie wir in unserer Gesellschaft mit Grund und Boden umgehen, wirft ja viele Fragen auf. Wir arbeiten seit rund zehn Jahren eng mit der Stiftung Edith Maryon in Basel zusammen, die sich der Förderung sozialer Wohn- und Arbeitsstätten verschrieben hat. Die Stiftung Evidenz unterstützt dort mehrere Projekte durch Darlehen.

Die Fragen stellte Laura Krautkrämer.

Darjeeling Organic Tea Estates

Das indische Demeter-Projekt umfasst 14 Tea Estates, also Tee-Güter in der Region Darjeeling sowie drei in Assam. Es produziert unter ökologischen Bedingungen unter anderem Spitzen-Darjeeling aus dem renommierten Teegarten Ambootia. Das Unternehmen beschäftigt über 10.700 Mitarbeiter, die mit ihren Familien in Dörfern auf den Ländereien leben – insgesamt rund 65.000 Menschen, die von fairen Arbeitsbedingungen, guter Gesundheitsversorgung und freien Schulen profitieren.

www.dotepl.com

Living Seeds – Sementes Vivas International

Ökolandbau braucht robuste und anpassungsfähige Pflanzensorten. Bei Living Seeds – Sementes Vivas, mit Sitz in Idanha-a-Nova in Portugal arbeitet ein internationales Team aus Erzeugern und Experten zusammen, um bio-dynamisches und ökologisches Saatgut vorwiegend für den Mittelmeerraum zu produzieren und zu vermarkten.

www.sementesvivas.bio